
Die Kennlinie eines Monochrom-, Grau- oder Farbbildes beeinflusst dessen Wiedergabe bei der Ausgabe ganz entscheidend. Sie bestimmt den Zusammenhang zwischen der Helligkeit eines Bildpunktes und der daraus errechneten Rasterdarstellung. Um ihre Funktion zu verstehen, sollten Sie unbedingt das einführende Kapitel über Raster- und Graustufenbilder gelesen haben. Bei Farbbildern gibt es für jede der Grundfarben Rot, Grün und Blau eine eigene Kennlinie, die Sie getrennt oder zusammen bearbeiten können. Der Einfachheit halber wird zunächst nur die Kennlinie für Graustufen beschrieben. Sie können mit diesem Befehl den Kontrast eines Bildes verstärken oder abschwächen, eine Negativ-Darstellung anfertigen oder automatisch die Kennlinie nach den vorkommenden Helligkeitswerten errechnen lassen. Wenn Sie das Kennlinien-Icon anklicken, wird folgendes Formular angezeigt:

In der linken Hälfte des Formulars sehen Sie die momentan eingestellte Kennlinie. Jeder der 256 möglichen Helligkeitswerte eines Bildes, die von links nach rechts aufgetragen sind, wird in einen Rasterwert umgerechnet. Diese Rasterwerte nehmen von unten nach oben zu. Eine neutrale Kennlinie, bei der jeder Grauwert in denselben Rasterwert umgesetzt wird, verläuft also diagonal von der linken unteren zur rechten oberen Ecke. Bei der Negativ-Darstellung erfolgt die Umsetzung genau umgekehrt, im Original helle Werte werden dunkel dargestellt und umgekehrt. Die Kennlinie verläuft also in diesem Fall diagonal von rechts oben nach links unten. Nachfolgend einige Beispiel-Kennlinien und deren Auswirkungen:
neutrale Darstellung:

Negativ:

Kontrast abschwächen:

Kontrast anheben (dabei werden die Grenzbereiche ab ca. 90 % vollschwarz und bis ca. 10 % gar nicht dargestellt):

Kontrast im mittleren Bereich anheben, an den Grenzen abschwächen:

Helle Stellen unterdrücken:

Bild aufhellen:

Sie können die Kennlinie ändern, indem Sie eine beliebige Stelle im Darstellungsfeld der Kennlinie anklicken. Die Kennlinie wird dann an dieser Stelle entsprechend angepasst. Konkret heißt das: Die Kennlinie wird auf die Höhe, auf der der Mauszeiger gerade steht, "gezogen". Sie können auch – während Sie die Taste gedrückt halten – den Mauscursor bewegen und so ganze Bereiche der Kennlinie ändern.
Im rechten Teil des Formulars sehen Sie diverse Felder. Unter dem Infobutton "Kennlinie" liegen vier Pfeil-Felder zur Einstellung der Helligkeit und des Bildkontrasts. Sie können damit den entsprechenden Wert in groben (Doppelpfeile) oder feinen (Einfachpfeile) Schritten verstärken ([Pfeil rauf]) oder abschwächen ([Pfeil runter]).
Die Helligkeit eines Bildes ist der darin vorkommende Weißanteil. Um ein Bild also aufzuhellen, werden alle Grauwerte um einen festen Wert reduziert (kleinerer Grauwert = heller). Bildlich gesprochen wird die gesamte Kennlinie nach oben geschoben. Auch hier können wieder Sättigungseffekte auftreten, denn entgegen der Waschmittelreklame ist "weißer als Weiß" nicht möglich, wie Sie auch am letzten der oben abgebildeten Beispiele erkennen.
Bitte beachten Sie dabei, dass bei einer Anhebung des Kontrastes über die Neutraldarstellung ein Sättigungseffekt in den Grenzbereichen eintritt. Das liegt daran, dass, wenn beispielsweise schon der Grauwert "80 %" vollschwarz dargestellt wird, der Grauwert "90 %" nicht noch schwärzer angezeigt werden kann. Der Extremfall ist die senkrechte Kennlinie bei 50 %, hier erhalten Sie dann den bekannten "Fotokopier-Effekt", bei dem Ihr Bild wirklich nur noch aus 100 % schwarzen und 100 % weißen Bereichen besteht und keine Grauabstufungen mehr vorkommen. Mathematisch ausgedrückt: Der Kontrast beeinflusst die Steigung einer Kennlinie.
Die nächsten drei Felder dienen zum Erzeugen spezieller Kennlinien. Während mit "Neutral" eine 1:1-Kennlinie erzeugt wird, können Sie mit der Funktion "Angleichen" die Kennlinie der Kontrastverteilung Ihres Bildes anpassen. Das Feld "Invertieren" schließlich erzeugt eine Negativ-Darstellung des Bildes. Dabei wird die Kennlinie von links nach rechts gespiegelt.
Mit dem Feld "Klemmbrett" steht Ihnen eine zusätzliche Zwischenablage für eine Kennlinie zur Verfügung. Wenn das Feld nicht gewählt ist, können Sie die angezeigte Kennlinie mit einem Klick in dieses Klemmbrett übernehmen (die Richtung "ins Klemmbrett" wird durch einen Pfeil gekennzeichnet). Liegt bereits eine Kennlinie im Klemmbrett, ist das Feld aktiviert und der Pfeil zeigt aus dem Klemmbrett hinaus. In diesem Fall wird mit einem Klick auf das Feld die Linie aus dem Klemmbrett in das Formular übernommen.
Die Felder "Sichern" und "Laden" dienen zum Abspeichern und Abrufen einer Kennlinie auf oder von Diskette beziehungsweise Festplatte. Nach dem Anklicken erscheint das Dateiauswahl-Formular, in dem Sie den Dateinamen der Kennlinie angeben können. Calamus-Kennlinien haben den Dateityp "CK1", "CK3", "CK4" oder "CK7", je nach dem Zusammenhang.
Mit dem Feld "Anwenden" sollten Sie vorsichtig umgehen. Wird es angeklickt, werden sämtliche Grauwerte des Bildes entsprechend der Kennlinie umgerechnet und als neue Bilddaten abgespeichert. Diese Funktion beeinflusst also nicht die Darstellung des Bildes, sondern die gespeicherten Daten selbst. Die Original-Daten, wie sie vom Scanner geliefert wurden, sind danach nicht mehr vorhanden! Da nur bei neutraler Kennlinie die maximal 256 möglichen Graustufen in 256 verschiedene Rasterwerte umgesetzt werden, verlieren Sie dabei normalerweise Information. Eine sinnvolle Anwendung ist aber beispielsweise die Umkehr eines Negativs zum Positiv.
Ein abschließendes Wort noch zur Kennlinieneinstellung: Sie sollten sich darüber im klaren sein, dass Sie mit der Einstellung der Kennlinie die Wiedergabe durchaus in gewissen Grenzen beeinflussen können, aber diese Grenzen natürlich durch die Qualität der zur Verfügung stehenden Daten gesteckt sind.
Konkret: Ein gut eingestellter Scanner ist mehr wert als jede Manipulation der Kennlinie. Bevor Sie also mit Hilfe der Kennlinienfunktion das Bild "feintunen", sollten Sie versuchen, am Scanner eine möglichst optimale Kontrasteinstellung zu erzielen. Wie bereits erwähnt, reduziert außerdem jede andere als eine neutrale Kennlinie die Grauwert-Auflösung des Bildes. Solange Sie jedoch mit einem Raster arbeiten, das aus weniger als 16 x 16 Pixeln besteht (siehe auch dazu das einführende Kapitel über Rasterbilder), ist die effektive Graustufenauflösung bei der Ausgabe sowieso geringer.
Kennlinien für Farbbilder:
Bei Farbbildern werden unter der Kennlinie noch drei Felder "Rot", "Grün" und "Blau" angezeigt, mit denen Sie die Kennlinie für jede Farbebene ein- und ausschalten können. Auf Farbmonitoren werden die Kennlinien in den entsprechenden Farben angezeigt, bei Schwarz-/Weiß-Monitoren sind die Kennlinien unterschiedlich gestrichelt. Sämtliche Veränderungen, die mit den normalen Kennlinien-Funktionen durchgeführt werden können, wirken sich auf alle momentan angezeigten Kennlinien aus. Damit können Sie auch Farbfilterungen vornehmen, indem Sie eine oder zwei Kennlinien im Kontrast oder der Helligkeit ändern.

|
|
|
|
|
(C) 1998–2009 (03.09.2008) invers Software. Alle Rechte vorbehalten. | Fragen zu dieser Seite? E-Mail
|
||